Geschichte

Mit seiner berühmten Stegreif-Rede beim Wittenberger Kirchentag im Jahr 1848, gab der Hamburger Theologe Johann Hinrich Wichern den Impuls für ein gemeinsames Dach evangelischer Hilfebewegungen in Deutschland. Sein leidenschaftlicher Appell, diakonisches Handeln als zentrale kirchliche Aufgabe wahrzunehmen und sich gegen soziale Not und Abwendung vom Glauben zu engagieren, führte zur Gründung des „Centralausschusses für Innere Mission“ und vieler eigenständiger Hilfsorganisationen vor Ort. Schon im Jahr 1833 gründete Wichern das „Rauhe Haus“ in Hamburg und gab dort verwahrlosten und schwer erziehbaren Kindern und Jugendlichen ein Zuhause. Seiner Zeit weit voraus schuf er in dieser Einrichtung familienähnliche Strukturen und legte großen Wert auf eine gute schulische Bildung seiner Schützlinge.

Im Jahr 1836 gründete der Theologe Theodor Fliedner unterstützt von seiner Frau Friederike das erste Diakonissen-Mutterhaus
in Düsseldorf-Kaiserswerth. Er schuf damit die Heimat einer Glaubens-, Dienst- und Lebensgemeinschaft für unverheiratete Frauen. Im Schutz dieser Gemeinschaft war es diesen Frauen möglich, einen sozialen Beruf zu erlernen und notleidenden Menschen zu helfen: das Amt der Diakonisse auszuüben. Auf der Grundlage des evangelischen Glaubens, fachlich und theologisch gut vorbereitet fanden Diakonissen in Krankenhäusern, Schulen, Kirchengemeinden und vielen sozialen Brennpunkten ihre Berufung. Der Gedanke der Mutterhausdiakonie verbreitete sich noch zu Fliedners Lebzeiten in der ganzen Welt.

Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die traditionelle Lebensform der meisten Menschen die Großfamilie. Alle Generationen fanden dort gleichermaßen Schutz, Geborgenheit und Hilfe in allen Lebenslagen.
Doch dann brachte die industrielle Revolution radikale Veränderungen. Junge Familien zogen vom Land fort in die wachsenden Industrie-Städte, weil sie sich dort als Arbeitskräfte in den neuen Fabriken bessere Lebensbedingungen versprachen. Doch obwohl die gesamte Familie – selbst die Kinder – unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiteten, reichte es nicht für die Existenz. Dies alles hatte eine hohe Kindersterblichkeit, Analphabetentum und entsetzliche Armut zur Folge. Doch es gab Menschen, die diese große Not nicht unberührt ließ: sie übernahmen soziale Verantwortung, gründeten Initiativen zur Hilfe und engagierten sich selbstlos und leidenschaftlich.

Hierzulande machten die beiden Theologen Johann Hinrich Wichern und Theodor Fliedner die Hilfe für Arme, Kranke und verwahrloste Kinder und Jugendliche zu ihrer Lebensaufgabe. Mit Einfallsreichtum, Gottvertrauen und auf der Grundlage des evangelischen Glaubens stellten sie sich den sozialen Nöten ihrer Zeit und brachten nachhaltige Reformen auf den Weg.
Strafgefangene, verwahrloste Kinder und Jugendliche, Arme und Kranke – Opfer der industriellen Revolution – erfuhren durch ihre Initiativen „tätige Nächstenliebe“ so wie Christus sie uns vorlebte. In über 150 Jahren ihres Bestehens hat der Grundgedanke der Diakonie seine Aktualität und Notwendigkeit zu keiner Zeit verloren: fachkundige, fortschrittliche Hilfe partnerschaftliche, liebevolle Betreuung Verständnis und Zuwendung auf der Grundlage des evangelischen Glaubens.

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